Anzeige

Kulturzeit - Herbst 2017

Leipzig im Neonlight

Das Museum der bildenden Künste Leipzig zeigt die Doppelausstellung von Mona Hatoum und AyŞe Erkmen
Lena Fließbach
17.09.2017, 14:00
Raum und Detail: AyŞe Erkmens Installation „Glassworks“. YVON MEYER PHOTOGRAPHIES 2012/MURAT GERMEN COURTESYARTER, ISTANBUL/JENS ZIEHE/PHOTOGRAPHIE
Raum und Detail: AyŞe Erkmens Installation „Glassworks“. YVON MEYER PHOTOGRAPHIES 2012/MURAT GERMEN COURTESY
ARTER, ISTANBUL/JENS ZIEHE/PHOTOGRAPHIE
BB Promotion
Hunderte Stacheldrähte hängen von der Decke herab, sie formen einen schwebenden Kubus und erinnern an Op-Art Skulpturen. Wem stellt sich dieser stachelige Vorhang in den Weg? Die palästinensisch-britische Künstlerin Mona Hatoum regt in ihrer Installation „Impenetrable“ zum Nachdenken über Durchlässigkeit und Ausgegrenztsein an. Daneben bilden farbiges Licht und sich bewegende Fensterblenden die einzigen Bestandteile einer Installation der türkischen Künstlerin Ayşe Erkmen. Betritt man den nächsten Raum, findet man sich in einem ziemlichen Chaos wieder: eine überbordende Fülle an Werken hat sich hier versammelt, verbunden durch die gemeinsame Farbe Grün. Was passiert, wenn zwei bekannte zeitgenössische Künstlerinnen zu einem Dialog eingeladen werden? In der Ausstellung Displacements/Entortungen im Museum der bildenden Künste Leipzig treffen Objekte, Interventionen und Videoarbeiten von Hatoum und Erkmen aufeinander.
Objekte aus lasierter Keramik, sowie „Kapan“ von Mona Hatoum aus Stahl und mundgeblasenem Glas
Objekte aus lasierter Keramik, sowie „Kapan“ von Mona Hatoum aus Stahl und mundgeblasenem Glas
„In Leipzig wurden bisher international arbeitende Künstlerinnen zu wenig gezeigt, dem wollten wir begegnen, auch da die Stadt sich immer mehr öffnet und internationaler wird“, sagt der Kurator, Frédéric Bußmann. „Der Einladung an Ayşe Erkmen und Mona Hatoum zu einer gemeinsamen Präsentation nach Leipzig lag die Überlegung zugrunde, dass sie sich häufig auf Situationen, auf Orte, aber auch die Institution oder Geschichte eines Ausstellungshauses beziehen, und dass sie in ihrer künstlerischen Sprache sowohl Unterschiede als auch Gemeinsamkeiten aufweisen, sich also gut ergänzen.“ In der Schau erzeugen die beiden Ansätze eine Spannung, bilden aber auch einen gemeinsamen Fokus. 

Ihre „Mines“ 
Ihre „Mines“ 
Der Titel „Displacements“ bezieht sich auf die Frage, was passiert, wenn das Bekannte plötzlich fremd wird – durch eine Verlagerung, eine Verschiebung oder auch Ent-Ortung. Ayşe Erkmen ließ die große zentrale Halle, das Herzstück des Museums, um die Hälfte verkleinert fünf Mal nachbauen und präsentiert diese Räume nun in der Halle selbst. Damit macht sie nicht nur auf die Monumentalität der Architektur aufmerksam, sondern verschiebt auch Maßstäbe und zugleich die Raumwahrnehmung der Besucher. Während Erkmen ihre Werke in Bezug auf die Besonderheiten eines Ortes entwickelt, wendet Hatoum häufig Techniken der Verfremdung an, die Verunsicherung hervorrufen – in ihren Arbeiten verwendet sie oftmals Alltagsgegenstände, die sie transformiert oder vergrößert. Ein mannshoher, käfigartiger Globus taucht seine Umgebung in rotes Neonlicht und zeigt die Welt als globalen Krisenherd. „Die Werke der Künstlerinnen können zum Nachdenken anregen, zu Perspektivwechsel, zum Infragestellen von festen Glaubenssätzen; sie beobachten die Welt und stellen ihre Fragen auf künstlerischem Weg“, kommentiert Bußmann. Die Ausstellung weitet sich auch auf den Leipziger Stadtraum aus. Hier lenken Ayşe Erkmens farbige Metallobjekte den Blick auf die Dinge und Objekte, die uns täglich begegnen, wie Denkmäler, kommerzielle Werbung oder Parkbänke. Bedeutungen verschieben sich, anscheinend vertraute Formen und alltägliche Situationen erscheinen durch die Interventionen in einem neuem Licht.

KURZINFO

AYŞE ERKMEN UND MONA HATOUM „DISPLACEMENTS/ENTORTUNGEN
18.11.2017-18.02.2018. Di., Do.-So. 10-18 Uhr, Mi. 12-20 Uhr. Museum der bildenden Künste, Katharinenstraße 10, Leipzig
zurück zur Übersicht Kulturzeit Herbst 2017